Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen meines Berufs – und warum ich ihn trotzdem liebe.
Geschätzte Leserinnen und Leser,
wer heute nach „Tierheilpraktiker Studium“ sucht, stößt auf eindrucksvolle Versprechungen: „Akademisch. Ganzheitlich. Fundiert.“ – nur leider entspricht das nicht der Realität. Ein staatlich anerkanntes oder akademisches Studium der Tierheilpraxis gibt es in Deutschland nicht. Es handelt sich um private Ausbildungen, deren Qualität stark variiert. Einheitliche Standards? Fehlanzeige.
Viele Schulen bemühen sich, grundlegendes Wissen über Anatomie, Physiologie und Pathologie zu vermitteln. Doch was auf dem Papier gut aussieht, zeigt in der Praxis oft Schwächen. Wenn an einem „Praxistag“ zwanzig Auszubildende ein oder zwei Tiere gemeinsam untersuchen, hat das wenig mit der Realität einer Hausbesuchsarbeit zu tun. Nach der Zertifizierung stehen viele frischgebackene Tierheilpraktikerinnen dann vor der Frage: Und jetzt?
Und jetzt?
Dann beginnt das, was ich „die große Gerätefalle“ nenne.
Nach der Ausbildung locken technische Investitionen – Unterwasserlaufband, Low-Level-Laser, Magnetfeldmatten. Einige dieser Verfahren haben durchaus therapeutischen Wert, wenn sie gezielt und nach fundierter Einweisung eingesetzt werden. Doch sie sind teuer, oft geleast oder kreditfinanziert, und bringen eine neue Art von Druck mit sich: Die Geräte müssen sich rechnen. Sie werden zum Mittelpunkt des Marketings – nicht immer, weil sie tatsächlich gebraucht werden, sondern weil sie bezahlt werden müssen.
Noch schwieriger wird es bei Geräten ohne nachweisbare Wirksamkeit, etwa der Bioresonanz. Hier wird mit Versprechen gearbeitet, für die es keine solide wissenschaftliche Grundlage gibt. Man misst vermeintliche „Schwingungen“ und „harmonisiert“ Energien – doch Studien zeigen: Nichts davon ist objektiv messbar oder reproduzierbar. Trotzdem verleihen solche Methoden einen Hauch von Technik und Seriosität, der Kunden überzeugen soll. Und genau hier entsteht ein gefährlicher Kreislauf aus Glaube, Geschäft und gutem Willen.
Viele Tierheilpraktikerinnen geraten so – oft unbemerkt – in eine Spirale aus Fortbildungen, Zusatzqualifikationen und Neuanschaffungen. Das Konto leert sich, die Unsicherheit wächst, und am Ende bleibt das Gefühl, immer noch nicht genug zu wissen. Ich kenne das nur zu gut. Auch ich wollte anfangs alles richtig machen, alles lernen, alles anbieten, und wenn es mal ein paar Wochen oder Monate nicht so gut gelaufen ist, habe ich an mir selbst und meiner Qualifikation gezweifelt und überlegt, was ich denn noch wissen müsste, damit mehr Patienten den Weg zu mir finden.
Weniger Wissen, mehr Zuhören
Doch mit der Zeit habe ich verstanden, dass Wissen nicht gleich Erfahrung ist. Dass keine Fortbildung ersetzt, was ehrliche Beobachtung, Geduld und konsequentes Hinterfragen leisten können. Und auch ohne über jedes Thema bis ins kleinste Detail alle Informationen zu haben, kann ich in meinen Fachbüchern nachschlagen, mich mit Kolleginnen austauschen und recherchieren. Dauert manchmal etwas länger, ist aber trotzdem effektiv und fundiert.
Warum ich den Beruf trotzdem liebe?
Weil er mich aus einem Job geführt hat, in dem ich mich verloren hatte – in Routinen, die weder erfüllend noch sinnvoll waren. Die Arbeit als Tierheilpraktikerin gibt mir die Freiheit, selbst zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, Nähe zu Mensch und Tier zu leben. Und ja: natürlich verdiene ich damit Geld. Aber ich möchte es nicht um jeden Preis. Ich arbeite lieber ehrlich, mit Maß und Vernunft, als auf Kosten von Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Meine Wahrheit ist:
Die Stärke einer guten Tierheilpraktikerin liegt nicht in Geräten, Zertifikaten oder „energetischen“ Methoden. Sie liegt im genauen Hinschauen, im Zuhören, im Verstehen. Alles beginnt mit Wahrnehmung – mit dem, was Tier und Halter unausgesprochen zeigen.
Ich sehe meine Rolle nicht als Konkurrenz zum Tierarzt, sondern als Ergänzung – und wünsche mir ehrlich gesagt, die Tierärzte würden es genau so sehen. Ich nehme mir Zeit für das, was im Praxisalltag der Tiermedizin oft untergeht: die Details, das Umfeld, die Lebensumstände. Ich begleite, beobachte, erkläre – und sage auch einmal ehrlich, wenn ein Fall in tierärztliche Hände gehört.
Wenn Sie jemanden suchen, der Ihr Tier ohne Hokuspokus (meine Kolleginnen und Kollegen möge mir den Ausdruck verzeihen), aber mit Herz, Wissen und Realitätssinn begleitet – dann sind Sie bei mir richtig.
Ich glaube nicht an Wundermittel. Ich glaube an Aufmerksamkeit, Zusammenarbeit und Verantwortung. Und genau das möchte ich in meiner Praxis leben – Tag für Tag, Tier für Tier.